“Gleichheit und Differenz”

Publikationsbeitrag von Claudia Lenz

In der Publikation:
„Etwas, das in die Phantasie greift“ Briefe von Karola Bloch an Siegfried Unseld und an Jürgen Teller.
Irene Scherer, Welf Schröter (Hg.)

Mit Beiträgen von Karola Bloch, Jürgen Jahn, Gordana Škoric, Claudia Lenz, Irene Scherer, Welf Schröter.

Aus dem Vorwort 

“Der vorliegende Band lädt zum Lesen persönlicher Briefe ein, die in einer besonderen Situation zwischen außergewöhnlichen Menschen in freundschaftlicher Weise ausgetauscht wurden. Die Briefe lassen Politisches und Privates, Hoffnungsvolles und Ernüchterndes öffentlich werden. Sie ermöglichen Einblicke in die Beziehungen zwischen Akteuren, die den privaten Raum durchbrochen und sich in Gesellschaftliches eingemischt haben. Die Schreibenden lassen uns posthum teilhaben an den Debatten und Kontroversen, an gemeinsamen Zielen und Erfolgen, Hoffnungen und Enttäuschungen. Es sind Briefe, die ermutigen und berühren.

Den ersten Teil des Bandes bildet die umfangreiche Auswahl an Briefen Karola Blochs an den damaligen Leiter des Suhrkamp Verlages, Siegfried Unseld, und sein Entscheidungsteam. Im Zentrum dieser schriftlichen Dokumente stehen die Editionsarbeiten des Gesamtwerkes von Ernst Bloch, um die sich Karola Bloch mit hoher Professionalität kümmerte. Diese Briefe beginnen 1960 und enden im Jahre 1990. Die Briefe wurden umfangreich kommentiert, um heutigen Leserinnen und Lesern, Personen und Geschehnisse in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts verständlicher zu machen.

Der zweite Teil enthält Briefe Karola Blochs an die von der DDR-Staatsicherheit verfolgten Jürgen und Johanna Teller in Leipzig. Die Blochs mussten ihre guten Freunde in Leipzig zurücklassen, als sie sich 1961 entschieden, im Westen zu bleiben. Die Briefe ergänzen die frühere sehr umfangreiche Edition „Briefe durch die Mauer“, die im Jahre 2009 veröffentlicht wurde. Viele Jahre nach dem Tod Jürgen Tellers fand sein Sohn die gut vor der StaSi versteckten Korrespondenzen. Dieser Teil der Brief beginnt im Jahr 1982 und endet im Jahr 1989.

Die weiteren Kapitel des Buches wenden sich den Vertiefungen dreier Themen zu, die für die Blochs von Bedeutung waren: Die Bedrohung durch den Staatsicherheitsdienst, die Verbindung der Blochs zur philosophischen „Praxis-Gruppe“ in Zagreb und die Identität Karola Blochs als Architektin. Die Beiträge von Jürgen Jahn beschreiben, wie die DDR-Staatssicherheitsorgane die Personen Ernst und Karola Bloch einschätzten. Die Zagreber Philosophin Gordana Škoric geht auf ihre persönliche Freundschaft mit Karola Bloch und die Freundschaft der Blochs mit den Freunden in Zagreb ein. Claudia Lenz umreißt die Berufstätigkeit Karola Blochs bis zum Wechsel von Leipzig nach Tübingen. Ein Originaltext der Architektin aus den fünfziger Jahren illustriert ihre praktische Tätigkeit.

Der Band offenbart die Rolle Karola Blochs und ihre große Bedeutung für die Werkedition Ernst Blochs in der gemeinsamen Tübinger Zeit. Das Buch korrigiert öffentliche Fehleinschätzungen ihrer Leistungen.”