Der „Schlothof“

Industriegeschichte im Leipziger Westen

Die eher kleine Fabrik in der Naumburger Straße 44 mit ihrem einprägsamen Beinamen wurde 1898 von den Kauflauten Wilhelm Kratzsch und Max Pozzi als Leipziger Dampf-Seifenfabrik Kratzsch & Pozzi gegründet. Im Gegensatz zu vielen anderen Fabriken, die zunächst klein begonnen haben und dann über einen längeren Zeitraum hinweg mit immer neuen Gebäuden ergänzt wurden, wurde hier das gesamte, etwa 2000 Quadratmeter große Firmengelände in einem Stück bebaut – und noch dazu ausgesprochen schnell: zwischen Bauantrag und Fertigstellung der Fabrik lagen gerade einmal siebeneinhalb Monate.

Schlothof

Geplant und errichtet wurden die Gebäude – Vorderwohnhaus, Portiershaus, zentrales Fabrikgebäude, Kessel- und Maschinenhaus, Dampfschornstein, Werkstattgebäude, Pferdestall und Lagerschuppen – von Baumeister Carl Brömme (1845 – 1922), der in Lindenau ein Baugeschäft betrieb. Noch heute präsentiert sich die Fabrikanlage fast wie zur Bauzeit – trotz einer langen Zeit des Verfalls wurde keines der Gebäude abgerissen. Zur Straßenfront schließt die Bebauung mit

zwei Wohnhäusern ab, zwischen denen die Einfahrt zum Fabrikgelände liegt. Im größeren der beiden Wohngebäude lebte der Fabrikant, im kleineren einige seiner Angestellten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird das Unternehmen, das laut Handelsregister Waschartikel, Seifenpulver und Handwaschmittel herstellte, in eine offene Aktiengesellschaft umgewandelt. Etwa zur selben Zeit erfolgen dann nochmals Baumaßnahmen: eines der Nebengebäude wird aufgestockt und ein Aufzug installiert.

Nach der Liquidation des Unternehmens Kratzsch & Pozzi zieht 1956 der VEB Pharmazie in die Räume ein. Diese Nutzung sollte allerdings nicht von langer Dauer sein, denn bereits für 1965 erfolgt die Eingliederung des Grundstücks in das Kombinat VEB Pumpen- und Gebläsewerk Leipzig mit Hauptsitz in der Gießerstraße 16.

Nach 1989 verwaltet zunächst die Treuhand-Liegenschaftsgesellschaft das Gelände, bis es durch ein privates Unternehmen erworben wird. 1996/97 erfolgt die Sanierung – es entstehen Wohnungen und für kleinere Gewerbebetriebe geeignete Räume. Heute ist die Fabrik ein gutes Beispiel für eine behutsame, Originalzustände wiederherstellende und gleichzeitig moderne Elemente integrierende Restaurierung eines industriellen Ensembles.

Von der Dampf-Seifenfabrik ist neben den Gebäuden auch zumindest eine Originalverpackung des Waschmittels “Pozzil” aus den 1920er Jahren geblieben, die im Stadtgeschichtlichen Museum zu sehen ist. Und nicht zuletzt natürlich der Name „Schlothof“, der sich übrigens von seinem in früheren Zeiten besonders hohen Schornstein ableitet.