Ich war mal wieder beim Bäcker … oder warum Menschen mit dem SUV zum Brötchenholen fahren

Dieses Mal wurde ich Augenzeuge einer schon fast klischeehaften Szene. Beim Verlassen des Ladens fiel mein Blick auf einen Mann, der gerade vor mir Brötchen gekauft hatte. Er erklomm den Fahrersitz eines großen Sport Utility Vehicles. Nun werden diese SUVs ja in der öffentlichen Diskussion oft als der absurdeste Auswuchs des Autowahns und als ökologische Todsünde bezeichnet. Sicher nicht ganz zu unrecht. Auch ich ärgerte mich zuerst und fragte mich, ob das denn sein müsse, mit dem Auto zum Bäcker zu fahren.

Doch genau das ist die Frage: Wo wohnt dieser Mensch? Gibt es dort einen Bäcker? Wie weit müsste er zu einem Bäcker laufen oder mit dem Fahrrad fahren? Was hindert ihn persönlich am zu Fuß gehen?

Natürlich kann es sein, dass der Mann einfach ein gedankenloser Mensch ist, der sich bequem in sein Auto hockt und zwei Tonnen für fünf Brötchen in Bewegung setzt. Aber vielleicht gibt es in seinem Wohnumfeld auch einfach keine Einkaufsmöglichkeiten. Und die “Stadt der kurzen Wege” wäre für ihn somit gar nicht vorhanden. Oder die Fuß- und Fahrradwege sind so miserabel und so unangenehm zu nutzen, dass er sich lieber in sein rollendes Wohnzimmer setzt.

Man weiß es nicht.

Innerhalb Leipzigs ist es wahrscheinlich von den Wegelängen her nicht notwendig, mit dem Auto zum Bäcker zu fahren. Den Weg zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen, ist sicher meistens kein grundsätzliches Problem. Aber alle Fußgänger und Radfahrer wissen aus eigener Erfahrung, wie unangenehm es oft für sie in Leipzig ist. Und das natürlich genau wegen dieser vielen Autos, die überall herumstehen, zu dicht und zu schnell an ihnen vorbeibrausen und ständig Bedrohungsgefühle auslösen.

Und genau hier müsste Stadtplanung ansetzen, um auch für die Autofahrer das Zu-Fuß-Gehen und das Radfahren attraktiv zu machen: Mit mehr Fläche für Fußgänger und Radfahrer (und das mit besseren Bodenbelägen), mit klaren Einschränkungen für Autofahrer (auch bei der zur Verfügung stehenden Fläche), mit konsequenter Durchsetzung von bestehenden Regeln (z.B. gegen das beliebte Gehwegparken), mit ästhetischen Straßenräumen, die mit Bäumen und Sitzmöglichkeiten ausgestattet sind, und so Fuß- und Radverkehr angenehm ermöglichen und vor allem mit einer dezentraleren, wohnortnäheren Versorgungsstruktur, damit die Wege kurz bleiben.

Nun weiß ich aus langjähriger Erfahrung, dass allen Appellen für die „Stadt der kurzen Wege“ zum Trotz genau das Gegenteil geschieht. Die unselige Allianz von kapitalistischem System mit seiner Tendenz zu Konzentrationsprozessen und der Autofixiertheit allen planerischen Denkens verhindert bisher eine breite Wende hin zu einer dezentraleren und nachbarschaftlicheren Stadt. Was dann das Zu-Fuß-Gehen und Rad fahren anstrengend macht und das Auto so bequem. Und genau da beißt sich die Katze in den Schwanz …