Der Lützner Plan

Seit über 90 Jahren gibt es in Leipzig-Neulindenau den Lützner Plan. Das ist kein Kartenwerk, wie man im ersten Moment meinen könnte. „Plan“ ist ein altes Wort für einen Dorfanger oder eine Wiese zum Bleichen der Wäsche. Wenn man sich die städtebauliche Struktur der Anlage mit seinen 340 Wohnungen zwischen Lützner, Demmering- und Saalfelder Straße ansieht, fällt der große angerartige Hof sofort ins Auge.

Der Lützner Plan in Leipzig-Neulindenau

Gebaut wurde die Anlage 1921 bis 1925 nach Plänen von Carl James Bühring, der von 1915 bis 1924 Stadtbaurat von Leipzig war. Neben anderen Wohnsiedlungen in der Südvorstadt, Mockau und Propstheida ist Bühring den meisten Leipzigern von den prägenden Klinkerbauten für den Zoo bekannt: dem Elefantenhaus, den Freiflugvolieren, der Affeninsel und der Bärenburg.

Die Architektur des Plans ist gemäßigt expressionistisch, ein Stil, der überwiegend in Deutschland von 1918 bis 1930 verbreitet war. Anders als im Bauhausstil nutzte die expressionistische Architektur runde, gezackte und kristalline Formen. Der Einfluss der Kunst und hier insbesondere der Bildhauerei der Zeit ist augenfällig. Handwerklichen Bauverfahren wurde oft der Vorzug gegeben, was man gut an den vielen expressionistischen Backsteinbauten sehen kann.

Auch wenn heute in der zeitgenössischen Architektur ganz anders gebaut wird, kann man von den Wohnanlagen der damaligen Zeit und somit auch vom Lützner Plan viel lernen. Auch zu jener Zeit ging es darum, große Mengen an Menschen kostengünstig und dennoch angemessen unterzubringen. Die im Lützner Plan gewählten Wohnungsgrundrisse sind klein, aber trotzdem praktisch und hochfunktional – gute Vorbilder in Zeiten steigender Bau- und Mietpreise.