Elektromobilität hat in Leipzig eine lange Tradition

Das Schlagwort „Elektromobilität“ ist im Moment in aller Munde. Bei genauerem Hinsehen geht es dabei aber meist nur um das Ob und Wie einer Mobilität mit Elektroautos. Dabei wird in der öffentlichen Diskussion allzu gerne übersehen, dass es in Leipzig, wie in vielen anderen Städten, schon seit gut 120 Jahren Elektromobilität gibt. Am 18. April 1896 nahm die „Große Leipziger Straßenbahn“ und die „Leipziger Elektrische Straßenbahn“ den Linienbetrieb auf. 1916 fusionierten die beiden und wurden 1919 von der Stadt Leipzig übernommen. 1938 wurde der Name des Betriebes in „Leipziger Verkehrsbetriebe“ geändert. Ab diesem Jahr wurde zudem ein weiteres elektrisches ÖPNV-System – ein Oberleitungsbus-System – eingeführt, das aber nur bis 1975 in Betrieb war.

Straßenbahnen der Leipziger Verkehrsbetriebe an der Haltestelle Angerbrücke

Bei Fachleuten ist es überwiegend Konsens, dass für Städte eine zukunftsfähige und ökologische Mobilität nur mit verstärktem Ausbau des ÖPNV möglich ist. Wird das Thema Klimaschutz ernst genommen, muss in eine bessere ÖPNV-Infrastruktur investiert werden. Dies umso mehr, wenn eine Stadt so dynamisch wächst wie Leipzig. Der „Bimmel“ könnte dabei eine Schlüsselrolle zukommen.

Straßenbahnen zeichnen sich durch eine sehr hohe Energieeffizienz aus. Dies liegt zum einen an dem geringen Rollwiderstand von Stahlrädern auf Stahlschienen und dem hohen Wirkungsgrad moderner Elektromotoren. Aber auch das große Platzangebot der Züge spielt dabei eine wichtige Rolle. Bei durchschnittlicher Besetzung kann eine XXL-Straßenbahn 218 Personen befördern. Das entspricht etwa 145 Pkw.

Umgerechnet auf die beförderten Personen ist der Energieverbrauch einer Straßenbahn daher wesentlich geringer als der eines Autos. Der sparsame Umgang der Straßenbahn mit Stadtraum ist für Leipzig in weiten Teilen der Stadt auch noch aus anderen Gründen von Vorteil: Die gründerzeitlichen Viertel waren und sind nie für eine Massenmotorisierung ausgelegt worden. Die Platz- und Parkplatzprobleme kann man in vielen Vierteln Leipzigs gut beobachten. Daran würde auch der Wechsel von Benzin- zu Elektroautos nichts ändern.

Positiv schneiden Straßenbahnen auch bei den Schadstoffemissionen ab. Vor Ort produzieren sie auch bei fossiler Stromerzeugung keine Abgase, was für dicht besiedelte städtische Räume sehr von Vorteil ist. Nutzt die Tram Strom aus regenerativen Quellen, wird sie sogar zu einem Nullemissionsverkehrsmittel. Und die Entwicklung bleibt nicht stehen. Nach Untersuchungen des Institutes für Energie und Umweltforschung Heidelberg sank der Schadstoffausstoß der Schienenverkehrsmittel in den letzten zehn Jahren etwa doppelt so stark wie der der Straßenverkehrsmittel.

Aus genannten Gründen hätte der Ausbau des Straßenbahnsystems in Leipzig sehr viele Vorteile. So könnten aktuelle verkehrliche und ökologische Probleme gemindert werden. Die Straßenbahn ist also auch nach 120 Jahren kein Auslaufmodell, sondern wichtiger Baustein einer zukunftsfähigen Mobilität.